Trauma versus ADHS – ein differentialdiagnostischer Blick

Gunda Frey erklärt was ein Trauma eigentlich ist.
ADHS: Diagnose und Therapie
(siehe auch: Seminar “ADHS richtig diagnostizieren und behandeln”

ADHS ist inzwischen wohl eine der bedeutendsten Störungen in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen durch eine Psychotherapie. Viele Kollegen scheuen jedoch die Arbeit mit diesen Kindern und Jugendlichen. Eltern, Lehrer und Therapeuten werden mit einer Vielzahl von Symptomatik konfrontiert. Konzentrationsschwäche ist dabei die harmloseste. Oftmals gehen diese Kinder über „Tische und Bänke“. Sie sind sprunghaft in ihrem Verhalten, rasten schnell aus, können keine Ordnung halten und werden von ihrer sofortigen Bedürfnisbefriedigung gesteuert – „driven by Emotion“. Nicht selten sind nicht nur die Eltern am Ende ihrer physischen und psychischen Möglichkeiten im Umgang mit den Auffälligkeiten dieser Kinder. Bei ihnen lohnt sich ein geschulter differential-diagnostischer zweiter Blick.

Kinder sind eventuell aus einem bestimmten Grund zappelig

Die nahezu gleiche Symptomatik findet sich insbesondere bei jüngeren Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Kinder reagieren eher selten mit Flashbacks oder Intrusionen. Vielmehr befinden sie sich in einem ständigen Hyperarousel, der auf den ersten Blick mit der Sprunghaftigkeit und Rastlosigkeit eines Kindes mit ADHS zu vergleichen ist. Konzentrationsschwierigkeiten sind ebenso Folgewirkung von traumatischen Erfahrungen, wie auch das schnelle „aus der Hose springen“. Bei einem ADHS zeigt sich die Bedürfnisbefriedigung lustorientiert nach dem Motto „alles muss Spaß machen“. Bei traumatisierten Kindern liegt der vermeintlichen Bedürfnisbefriedigung -auch ohne eine detaillierte Erinnerung an das erlebte Trauma- eine Stressvermeidung zugrunde, nach der Maxime „Ich will mich nie wieder so fühlen müssen wie damals“. Hierbei geht es nicht nur um massive traumatische Erfahrungen wie sie beispielsweise im ICD-10 beschrieben werden. Jeglicher nicht verarbeiteter emotionaler Stress kann zu einer solchen Symptomatik führen.

Eine Fortbildung zu ADHS und/oder Traumatherapie hilft, einen geschulten Blick zu entwickeln

Der Behandlungsansatz ist jeweils ein gänzlich anderer. Kann von einer vorangegangenen Traumatisierung ausgegangen werden, sollte zunächst eine entsprechende Traumatherapie durchgeführt werden. Danach wird sich zeigen „wieviel ADHS“ von der Symptomatik noch übrig geblieben ist.